Wohntraum mit Blick auf das Kölner Rheinufer

Innenarchitektur

Das junge Kölner Planungsbüro DIIIP, 2011 gegründet von Architekt Jochen Reetz, hat sich mit unkonventionellen und dabei nachhaltig gedachten Bauten und Umbauten im Bestand einen Namen gemacht. So hauchte es unter anderem einer ehemaligen Printenbäckerei in einem Kölner Hinterhof neues Leben als zeitgemässes Wohnhaus ein – unter der Verwendung von vor Ort vorgefundenen Baumaterialien wie den alten Backsteinen.

«DIIIP steht für ehrliche Materialien, praktikable Details und ein schlüssiges Gesamtbild», erklärt Architekt Reetz, der das Büro zusammen mit einer Partnerin führt und aktuell vier weitere Mitarbeitende beschäftigt.

Wohnzimmer mit einem Sofa aus Holz, hinten ein Tisch mit Stühlen

Massarbeit: Die meisten Möbel fertigte ein Schreiner, so auch die Sitzecke und den blau lackierten Tisch.

«Für uns ist weniger oft mehr und Zeitlosigkeit beständiger als jeder Trend.» Das neuste, erst 2022 fertiggestellte Projekt des Büros, dessen zweites Standbein Branded Spaces für Unternehmen ist, reduziert die Materialwahl im Innenausbau auf ein Minimum: Weisstanne, Lehmputz und Kautschuk lassen rund 180 Quadratmeter Wohnfläche auf drei Ebenen optisch zu ­ einer loftartigen und dabei wohnlichen Einheit verschmelzen.

Mit LOFT M erfindet DIIIP eine vorhandene dreigeschossige Aufstockung auf einer historischen Zollhalle im Kölner Rheinauhafen neu: Der zeitgemässe Innenausbau mit natürlichen, ausbesserungsfähigen und ästhetisch alternden Oberflächen ermöglicht den Bewohner*innen, einem jungen, designaffinen Paar mit Kind, eine langjährige Nutzung.

Ein Mann und Frau, die Frau sitzend an einem Tisch, der Mann stehend

Bewohnerpaar: Edwin und Melissa sind in ihrem Loft stadtnah und dabei direkt am Rhein vor Anker gegangen.

DIIIP hat es verstanden, 180 Quadratmeter Wohnfläche auf drei Ebenen optisch zu einer loftartigen und dabei wohnlichen Einheit zu verschmelzen.

Die Ausgangssituation: Eine dreigeschossige Aufstockung eines Hafengebäudes

In bester Lage unweit der Kölner Altstadt-Süd und in erster Reihe am Rheinufer mit Blick auf Flusspanorama und ­Severinsbrücke hatte das Bauherren-Paar den 2010 errichteten, von der Ursprungskubatur zurückgesetzten Dachaufbau mit golden schimmernder eloxierter Aluminiumblechfassade auf einem historischen Hafengebäude erworben. Mit dem Ziel, die über drei Ebenen angeordneten Innenräume mit Terrassen zu zwei Seiten sowie einer spektakulären Dachterrasse on Top zum wohnlichen Zuhause einer Familie mit Kind(ern) auszubauen.

Jochen Reetz und DIIIP kannte das Paar bereits von anderen Projekten des Büros. Im engen Austausch zwischen dem Architekten und den Bauherren entstand die Idee, nicht nur Bäder, Küchen und Oberflächen im Innenraum zu erneuern, sondern die dreigeschossige Wohneinheit komplett zu sanieren und räumlich neu aufzuteilen – unter Einbehaltung ihres loftartigen Charakters und mit nachhaltigen Materialien. Die Bauherren wünschten sich zudem ausreichend Stauraum und Wohnflexibilität, etwa im Hinblick auf weiteren Familienzuwachs.

Ein blauer Tisch mit Stühlen und Aussicht auf das Rheinufer.

Aussicht: Im offen gestalteten Obergeschoss blickt man von Essecke und Homeoffice auf den Fluss.

Der Plan: Funktionen ordnen sich nach Ebenen, verbunden mit einer Treppe in Orange

DIIIP sortierte in seinem Entwurf den unterschiedlichen Ebenen spezifische Funktionen zu. Und schuf eine neue räumliche Aufteilung, die im Eingangsgeschoss die Privaträume – Schlaf-, Bade- und Kinder-beziehungsweise Gästezimmer – verortet. Im Obergeschoss gehen Wohn- und Essbereich mit Küche und Arbeitsecke fliessend in­ einander über. Ein umlaufender Einbau schafft dennoch eine gewisse Zonierung der Bereiche. So setzt sich ein Podest als Passstück auf den Treppenlauf und separiert den Küchen- und Wohnbereich über zwei Stufen vom Ess- und Arbeitsbereich. Die dadurch verminderte Brüstungshöhe der Fenster schenkt den Bewohner*innen zusätzlich einen erweiterten Ausblick nach draussen.

Eine Küche mit einem Bartresen

Küche: Die Einbaumöbel und den frei stehenden Bartresen fertigte der Schreiner. Wand- und Pendelleuchten sind von DCW.

Das an den Zugang zur Dachterrasse angegliederte Bad im zweiten Obergeschoss schliesslich wurde um Stauraum für Outdoormöbel und Spielzeug erweitert. Die ehemals freitragende Treppe, die alle Ebenen verbindet, liess der Architekt mit raumhohen, flächenbündigen Einbauten umbauen, die Verkehrswege zugunsten von Nutzfläche auf ihr Minimum reduzieren.

Das seiden­-glänzende Reinorange RAL 2004, in dem der Treppenaufgang gestrichen wurde, windet sich durch alle Geschosse und steht im bewussten Kontrast zu den ansonsten natür­lichen Tönen des Innenausbaus. Eine vom Eingangsgeschoss bis an die Decke des Terrassengeschosses durchgehend eingesetzte Stele dient dem Treppenverlauf als Handlaufhalter.

Eine Ecke mit einem grossen Sofa

Wohnecke: Der Bezugsstoff des Sofas ist harmonisch auf den Farbton von Lehmputz und Kautschukboden abgestimmt.

Ein Schlafzimmer aus Holz

Schlafzimmer: Aus einem Guss wirken Bett, Ablagen und Einbauschränke mit Oberflächen aus Weisstanne.

Der rote Faden: eine einheitliche, reduzierte Materialwahl über alle drei Ebenen

Die im Wesentlichen auf Weisstanne, Lehmputz und Kautschuk reduzierte und über alle drei Ebenen einheitliche Materialwahl schafft ein schlüssiges Gesamtbild im vielfältigen räumlichen Gefüge. So wurde auf sämtliche Wand- und Deckenflächen ein olivfarbener Lehmputz aufgetragen. Die heterogene unbehandelte Oberfläche zeigt dabei bewusst ihre natürlichen Strohanteile.

Alle Einbauten – Schränke, Schiebetüren, fixe Sitzbänke und Kojen, Küchenmöbel, Schreibtische und Elternbett – wurden vom Schreiner aus regional produzierten Weisstannen-Dreischichtplatten gefertigt. Die astfreie Maserung der Holzoberflächen schafft ein ruhiges Gesamtbild und einen grosszügigen Raumeindruck, selbst in der eher engen Flursituation im Eingangsbereich. Zwischen dem hellen Farbton der Holzoberflächen und der dunklen Lehmputzfarbe vermittelt der cremefarbene, fusswarme Kautschukboden in allen Wohnräumen. Lediglich der Flurbereich der Zugangsebene wurde mit einer ­Naturkokosmatte ausgelegt.

Die minimalistische Röhrenbeleuchtung sowie eine raumhohe ­verspiegelte Schiebetür zum Gästebereich überspitzen die lange Raumflucht im Eingangsbereich und unterstreichen die reduzierte ­Materialauswahl. Die Einfachheit der wiederholenden Fugenabstände und der Verzicht auf Sockelleisten offenbaren dabei die handwerkliche Präzision der ausgeführten Gewerke.

«Für uns ist weniger mehr und Zeitlosigkeit beständiger als jeder Trend.»
Ein Treppe mit einem orange lackierten Fenster davor.

Aufgang: Die in seidenglänzendem Reinorange (RAL 2004) lackierte Treppe windet sich durch alle Geschosse.

Ein Schiebetür zu einem Raum

Spiegelwand: Die verspiegelte Schiebetür zum Gästebereich überspitzt die Raumflucht im Eingangsbereich.

Der Clou: je höher das Stockwerk, desto grosszügiger die Raumwirkung

Sieht der Grundriss der Eingangsebene aktuell eine Unterteilung in viele funktionale, dabei relativ kleine Zimmer vor, die sich bei wandelnden Lebensumständen variabel zusammenlegen oder dank eines zweiten Eingangs auch teilweise als eigenständige Wohnung abtrennen lassen, ist die Ebene darüber als zu zwei Seiten offener Einraum mit grosszügigem Luftraum gestaltet: Über der TV-Nische hinter der Einbauküche öffnet sich der Wohnbereich überraschend nach oben und kommuniziert über ein grossformatiges Fenster mit dem Terrassenbereich im Dachgeschoss. 

Ein imposanter Leuchtkreis (Artemide) im Ausbaubereich des Luftraums dient Terrasse und Wohnbereich als indirekte Beleuchtung. Wer schliesslich die Treppe bis auf die oberste Ebene hinaufsteigt, wird mit einem atemberaubenden Ausblick über das Rheinpanorama, Brücken, sattgrüne Wiesen auf dem gegenüberliegenden Ufer und vorbeiziehende Schiffe von der XXL- Dachterrasse aus belohnt. Lässiger kann man in Köln wohl kaum wohnen.

 

Ein Badezimmer mit Schiebetür.

Badezimmer: Eine Schiebewand aus Stahl und Glas schafft eine visuelle Verbindung zum Schlafbereich.

Ein Gebäude am Kölner Rheinhafern von aussen.

Aussenansicht: Der Dachaufbau mit Metallfassade sitzt auf einer historischen Zollhalle im Rheinauhafen.

«DIIIP steht für ehrliche Materialien, praktikable Details und ein schlüssiges Gesamtbild.»
Ein Mann lehnt an eine Wand

Jochen Reetz, Gründer und Inhaber von DIIIP 

Nach der Ausbildung zum Zimmermann bereiste Jochen Reetz die Welt, bevor er an der Bauhaus-Universität Weimar ­ Architektur studierte. Während der langjährigen Selbstständigkeit vermittelte er seine räumlich-konzeptionelle Expertise als Dozent an der Bergischen Universität Wuppertal. Gemeinsam mit einem Team von fünf Architekt*innen bearbeitet er in seinem 2011 gegründeten Büro DIIIP in Köln unterschiedlichste ­Projekte im Spannungsfeld von Mensch und Raum. ­

DIIIP realisiert in den Bereichen Architektur und Innenarchitektur alle Leistungsphasen – immer in enger Zusammenarbeit mit den Bauherren. Das Projektspektrum reicht von Bauten im Bestand, Innenraumkonzepten und Büro­ gestaltungen bis hin zu Showrooms, Messeständen und Ausstellungen.

 Weitere Informationen:

 www.diiip.net

Das Titelbild der Ausgabe 3/2024 der Zeitschrift Das Ideale Heim.

Dieser und weitere Artikel sind in der Ausgabe 3/2024 der Zeitschrift Das Ideale Heim zu finden.